Kategorie: Fachbeiträge

Ein Aquarium für Zwergbuntbarsche

Dr. Stefan Karl Hetz

Aug. 2021 25 Minuten

Um Zwergbuntbarsche erfolgreich im Aquarium zu halten, gibt es unzählige verschiedene Möglichkeiten. Drei dieser Haltungsformen (deren Übergänge fließend sind), das Gesellschaftsbecken, das Zuchtbecken und das Biotopbecken, möchten wir ihnen hier kurz vorstellen. Die Auswahl richtet sich vor allem danach, ob man als Liebhaber von Zwergbuntbarschen die Art in einem sogenannten Gesellschaftsaquarium, in dem die Tiere zwar ein Revier verteidigen, ablaichen, interessante Verhaltensweisen rund um die Brutpflege zeigen und gegebenenfalls auch wenige Jungfische aufziehen, halten möchte oder ob man die Tiere gezielt nachzüchten möchte, um sie, getreu dem Slogan des AKZ Arterhaltung durch Zucht befreundeten Aquarianern, den Mitgliedern des Arbeitskreises oder einem größeren Kreis von Aquarianer zugänglich zu machen. Dazwischen gibt es viele Facetten: Hobbyzüchter, die einige Arten gezielt nachzüchten und diese Tiere an den lokalen Fachhandel oder andere Aquarianer weitergeben. Aquarianer, die vor allem vom Verhalten der Tiere fasziniert sind. Aquarianer, die einfach erforschen wollen, was die eine Art von der anderen bei der Nachzucht unterscheidet.

Gründe für die Haltung

Die obigen Möglichkeiten und Gründe der Haltung von Zwergbuntbarschen bestimmen auch zu einem beträchtlichen Teil, wie Aquarien für eine dauerhafte Haltung, die Zucht und die Aufzucht der Jungfische gestaltet werden sollten. Sie ist auch in einem gewissen Maß davon abhängig, ob die Fische mit weiteren Arten zusammen gehalten werden, wie das Becken eingerichtet ist und wie groß dieses ist. Die Größe allein ist allerdings nicht unbedingt eine Kriterium für eine gute Haltung: es kommt auf die Zusamnmenwirkung von Größe, Einrichtung und Besatz an.

Aquarientypen

Man sollte sich also bereits vorher fragen: Was will ich mit dem Aquarium? Will ich die Tiere in einem komplexen, der Natur nachgebildetem Lebensraum beobachten, die Interaktionen mit anderen Fischen beobachten oder einfach nur gezielt und effizient nachzüchten? Ihre Berechtigung haben alle diese Haltungsformen.

Gesellschaftsaquarium

Fangen wir mit einem typischen Gesellschaftsaquarium an. Ich meine damit jedoch nicht die manchmal in einschlägigen Internetforen abgebildete Fischsuppe, eine an Arten- und Individuen überaus reiche Sammlung verschiedenster Fische aller Größen aus allen Facetten der Aquaristik, sondern ein Aquarium, das zumindest versucht, einen kleinen Teil einer zueinander passenden Fischgemeinschaft nachzubilden.

Auch in einem mit vielen Verstecken und Strukturen versehenen Gesellschaftsbecken können einige Arten von Zwergbuntbarschen erfolgreich gehalten werden. Die mit den Zwergbuntbarschen vergesellschafteten Fische sollten jedoch zu diesen passen. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Ein Gesellschaftsaquarium ist ein Aquarium, welches neben anderen Fischarten auch noch ein Paar bzw. ein Trio Zwergbuntbarsche (1,1 oder 1,2 nach Anzahl der Männchen und Weibchen) aufnehmen kann. Schon hier gibt es teilweise große Unterschiede in den auf den Artenseiten vorgestellten Arten. Nicht alle Zwergbuntbarscharten lassen sich mit allen hier beschriebenen Fischen vergesellschaften. Das Gesellschaftsaquarium ist meistens nach optischen Gesichtspunkten eingerichtet. Der Behälter sollte eine gewisse Mindestgröße nicht unterschreiten, schließlich sind neben den Zwergbuntbarschen, die meistens eine gewisse Bodenfläche als Revier benötigen, noch andere Fische in diesem Aquarium. Ein guter Anfang liegt bei 100 × 40 cm Bodenfläche, die Höhe ist für Zwergbuntbarsche weniger wichtig, typischerweise liegt sie mindestens bei 40 cm, also einem Wasserstand von ungefähr 30 cm. Wenn man Zurückhaltung im Besatz üben kann und auch dazu bereit ist, kann man auch mit einem Becken von 80 cm Länge anfangen. Ein wichtiger Aspekt ist, ob die Zwergbuntbarsche, zum Beispiel eine Art der Gattung Apistogramma noch mit einer weiteren Zwergbuntbarsch- Art oder mit weiteren anderen Fischarten, die ähnlich wie diese Zwergbuntbarsche vor allem bodengebunden leben, vergesellschaftet werden sollen. Dann würde ich bei 120 × 50 cm Bodenfläche anfangen.

Koslowski (1985) beschreibt in seinem Buch sehr schön, welche Arten unter welchen Kriterien zusammenpassen würden. So empfiehlt er, möglichst morphologisch und vom Verhalten her unterschiedliche Arten miteinander zu vergesellschaften.

Beschränkung in der Artenauswahl

Hier gilt wie überall: Man sollte sich in der Auswahl der Arten beschränken und vorher überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, eine Höhlen bewohnende Wels- Art in mehreren Exemplaren, eine größere, wie viele Zwergbuntbarscharten ebenfalls bodengebunden lebende Gruppe von Panzerwelsen von mehr als 10 Tieren und andere Zwergbuntbarsche, die ja alle im Aquarium um den Lebensraum Boden und Verstecke konkurrieren, miteinander zu vergesellschaften! Spätestens wenn die Zwergbuntbarsche ein Revier verteidigen, kommen die Panzerwelse, die ja auch auf dem Boden leben oft zu kurz und werden von den Zwergbuntbarschen dauerhaft gejagt, was den beiden Arten auf die Dauer nicht gut tut. Kommt es zur Laichabgabe, so können z.B. nachts Harnischwelse in die Bruthöhlen eindringen und das Gelege bzw. die frisch geschlüpften jungen Zwergbuntbarsche als Nahrung ansehen.

Ein Artbecken für A. borellii. Das Becken steht mit der Stirnseite nach vorne und wird nach hinten durch einen Mattenfilter über die hintere Fläche abgeschlossen. Es sind genug Verstecke für die Fische vorhanden. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Ganz davon abgesehen sind nachtaktive Fische, die nachts an den Ruheplätzen tagaktiver Fische (z.B. den Zwergbuntbarschen) sehr aktiv sind und diese stören, ebenfalls nicht für eine Vergesellschaftung geeignet. Ein größeres Aquarium bringt hier auch nicht viel, da sich die Fische meistens nicht an die für sie vorgesehenen Plätze (vor allem, wenn diese für die Fische abgezählt sind) halten. Auch wenn ein Aquarium sehr groß ist, ist es eben immer nur ein kleiner Ausschnitt eines größeren Lebensraums, in dem sich die Tiere frei bewegen und gegenseitig Konkurrenz machen. Nur diese kleinen Ausschnitte lassen sich im Aquarium nachbilden: Auch wenn ein Gewässer in einer Publikation eine beeindruckende Artenliste aufweist, heißt das nicht, dass alle Arten auch gleichzeitig auf einem kleinen Fleck von 200 × 60 cm vorkommen. Das sei auch für alle Aquarianer deutlich gesagt, die zum Beispiel in einem 80er Aquarium mit 6 bis 8 Fischarten ein “korrektes” Ökosystem einrichten wollen und hoffen, darin auch das interessante “natürliche” Revierverhalten und Laichverhalten und die Jungenaufzucht unter “natürlichen Bedingungen” beobachten zu können.

Eine Reihe unterschiedlicher Artbecken beim Verfasser. Die Filterung erfolgt über mit Lufthebern betriebene Mattenfilter, die die gesamte hintere Fläche einnehmen. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Sie werden sich jetzt fragen: in der Natur klappt das ja auch. Warum nicht im Aquarium? Das hängt einfach damit zusammen, dass Zwergbuntbarsche oft sehr spezielle ökologische Nischen besetzen, in denen andere Fische nicht vorkommen. Ein Fluss oder ein Bach besitzt eine ungleich größere Möglichkeit für eine Fischart, eine spezielle Nische zu besetzen und damit anderen Arten aus dem Weg zu gehen als ein Aquarium, selbst wenn es noch so groß und strukturiert eingerichtet ist.

Wie kann es doch funktionieren?

Wenn man sich von dem obigen Gedanken eines korrekten Biotops verabschiedet, kann es mit der erfolgreichen Haltung im Gesellschaftsaquarium durchaus klappen. Was sollte man dabei bedenken?

Platz

In der Natur (zumindest aus meinen wenigen Erfahrungen mit Beobachtungen von Vertretern der Gattung Apistogramma) sind die von den Weibchen aktiv verteidigten Reviere zum Teil sehr klein. Das verwundert nicht, ist die Konkurrenz um Brutreviere und der auf die Nachkommen, die für Fressfeinde zunächst erstmal eine wertvolle Energiequelle darstellen, lastende Druck in der Natur sehr hoch. Mein subjektiver Eindruck von Beobachtungen in der Natur war, dass diese Reviere auch zeitlich variabel sind, die Weibchen also öfter mal den Standort wechseln, was ich aber nie wissenschftlich nachweisen konnte. Wenn die Weibchen mit den Jungen den Standort wechseln, ist der genutzte Raum bzw. die Fläche in der Natur trotz kleiner Reviere vergleichsweise groß.

Extreme Dichten an Zwergbuntbarschen treten am Ende der Trockenzeit in vom Hauptfluss abgeschnittenen Lagunen auf. Das Artenspektrum in der Abbildung soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Zusammensetzung in einem kleinen Aquarium zu Probleem führen könnte. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Warum könnte das so sein und was würde das für die Haltung bedeuten? Eine dynamische Revierverteidigung bei der das verteidigte Revier “mitwandert”, hat wahrscheinlich Vorteile für die Nahrungsangebote für die Jungfische und stellt auch sicher, dass sich Fressfeinde nicht auf einen Platz einstellen können. Um verschiedene Reviere nutzen zu können, sollte das Aquarium aber auch solche Möglichkeiten bieten.

Mehrere Tiere einer Art?

Die Vergesellschaftung mehrerer Tiere einer Art ist durchaus möglich, in einigen Fällen sogar sinnvoll. So kann man das komplexe Verhalten von Schneckenbuntbarschen nur in einer Kolonie beobachtet werden. Eher Paare bildende Arten westafrikanischer Zwergbuntbarsche sind sicher sehr viel schwieriger in genügend großen Aquarien zu halten. Bei Schmetterlingsbuntbarschen gab es auch in Becken mit 120 bis 150 cm Länge die Möglichkeit, mehrere (>3) Paare zu vergesellschaften. Diese bildeten sich aus dem Nachwuchs des ursprünglich eingesetzten Paars. Ähnlich gut funktionierte es mit mehreren Dicrossus filamentosus in einem Becken mit der Grundfläche 200 × 80 cm.

Im gleichen Behälter scheiterte jedoch der Versuch, mehr als ein Männchen der Art Apistogramma cacatuoides zu vergesellschaften, 5 Weibchen zu einem einzelnen Männchen gelang jedoch, teilweise führten drei davon gleichzeitig Jungfische. Ähnlich schlecht lief es mit mehreren männlichen A. agassizii. Selbst unter den vielen Pflanzen, den ca. 2 Zentnern an Wurzeln, den ca. 80 Verstecken und unter Laub gelang es dem dominanten Männchen, die potenziellen Konkurrenten aufzuspüren und mit Ausdauer durch das Aquarium zu scheuchen. Bei A. agassizii hatte ich Erfolg mit dem Zusetzen weiterer Männchen, aber dann ging es schon wieder Richtung Fischsuppe …

Mehrere Männchen bzw. Paare von A. borellii gingen auch in kleineren Behältern. Größe, Sozialverhalten, Reviergrößen und Einrichtung sind zu jedoch viele Faktoren, um eindeutige Empfehlungen geben zu können. Die Neigung, einen Harem zu bilden, scheint ein wichtiger Faktor zu sein. Wenn man Versuche in Richtung Vergesellschaftung macht, sollte man sich immer für einen Plan B, das Scheitern der Vergesellschaftung, vorbereiten, also weitere Behälter zur Aufnahme der unterlegenen Fische zur Verfügung zu haben.

Futter

Zwergbuntbarsche sind – im Vergleich zu den meisten anderen Fischgruppen – eher langsame Fresser, die bei Gelegenheit mehrere Stunden am Tag den Bodengrund nach Nahrung durchsuchen. Lebendgebärende oder Salmler können im Vergleich dazu sehr viel schneller reagieren und bisweilen das gegebene Futter auffressen bevor es überhaupt den Boden bzw. das untere Drittel des Aquariums erreichen kann. Auf dieses Problem weist auch Ploeger (2010) hin.

Generell eignen sich verschiedene Lebend-, Frost-, Granulat- und Tablettenfutter (die Reihenfolge ist beabsichtigt) für die Ernährung von Zwergbuntbarschen. Während die beiden ersten Futtersorten meist noch gut angenommen werden, ist die Akzeptanz bei den beiden letzteren unterschiedlich, was aber nicht bedeutet, dass diese Futtersorten nicht grundsätzlich geeignet wären. Für die recht komplexe Information über Futter ist eine gesonderte Seite in Planung. Gute Hinweise zur Fütterung gibt das Buch von Bremer (1997).

Die Larven und Puppen der Stechmücken, auch als Schwarze Mückenlarven bezeichnet, sind für viele Zwergbutbarsche ein sehr gutes Futter. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Panzerwelse können zudem die Zwergbuntbarsche bei der Suche nach Futter auf dem Boden stören. Bisweilen kann es auch vorkommen, dass die Panzerwelse den Zwergbuntbarschen das Futter schlicht wegfressen. Die unterschiedlichen Aktivitätszeiten von Panzerwelsen und Zwergbuntbarschen sorgen auch dafür, dass diese nachts nicht richtig zur Ruhe kommen.

Struktur und Rückzugsgebiete

Vergleichen Sie einen Rasen und einen naturbelassenen Auwald. In ersterem wird sich kaum ein Tier verstecken können, in letzterem werden sehr viele unterschiedliche Strukturen dafür sorgen, dass auf der gleichen Fläche Verstecke in Form von Unterschlüpfen, Gruben, Löchern, Hügeln, längs und quer liegenden Holzstücken, Laub und kleine Wasserlöchern entstehen. Die Fläche, deren strukturelle Diversität und damit der nutzbare Lebensraum und die Attraktivität für Tiere wird zunehmen.

Achtung: Sie werden in einem nach solchen Vorgaben strukturierten Aquarium ihre Fische möglicherweise nicht immer sofort sehen. Aber das macht die Aquaristik ja auch gerade interessant.

Nachbildung von Fallaub durch eingebrachtes Buchenlaub vom letzten Winter als Versteckmöglichkeit für Zwergbuntbarsche. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Wobei wir jetzt schon bei der Einrichtung gelandet sind. Idealerweise sind Aquarien so ähnlich strukturiert wie die Biotope der gepflegten Fische in der Natur (vgl. Staeck 1985). Es macht den Fischen aber sicher nichts aus, ob das Versteck bzw. der Unterschlupf ein originales Blatt aus dem natürlichen Lebensraum, ein Stück einer Kokosnussschale oder eine Röhre aus Bambus oder Ton ist. Das bedeutet dann aber nicht, dass in einem Meterbecken genau in der Mitte genau eine halbe Kokosnussschale liegt und links und rechts daneben genau zwei Aquarienpflanzen stehen – Amazonasschwertpflanzen, man pflegt ja schließlich Südamerikaner! Wenn man sich natürliche Apistogramma-Biotope ansieht und die dort aufgefundenen Strukturen in “Kokosnussschalenäquivalente” umrechnet, so kommt man bei einer Grundfläche von einem Meterbecken (ich gehe mal von 100 × 50 cm Grundfläche aus) auf ungefähr 20 bis 30 solcher Kokosnussschalenäquivalente. Was bedeutet das?

Zwergbuntbarschbiotop im nödlichen Bolivien. Die Zwergcichliden halten sich vor allem direkt am Ufer zwischen den Pflanzen auf. Der Sandboden hat eine dicke Pflanzen- und Mulmauflage. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Selbst bei einer Besatzdichte von einem Pärchen Apistogramma auf einen halben Quadratmeter könnten diese Fische in der Natur zwischen viel mehr Verstecken, Revieren und Ablaichplätzen auswählen als im Aquarium. Was zeigt uns das? Ein gut strukturiertes Aquarium für eine erfolgreiche Haltung von Fischen ist keine Bühne, auf die wir zusehen, was die Tiere machen wobei wir möglichst alles jederzeit sehen können, sondern idealerweise ein künstlich nachgebildeter Ausschnitt aus der Natur, den wir dazu benutzen, das natürliche Verhalten der Tiere zu beobachten und diesen Tieren auch die Möglichkeit geben zwischen verschiedenen Verstecken und Rückzugsmöglichkeiten zu wählen. Das bisweilen beschriebene “Umbetten” von Jungfischen zeigt, dass auch im Aquarium Reviere dynamisch sein können.

Dass so ein komplexes Aquarium – das man gerne auch als Biotopbecken bezeichnen kann – durchaus attraktiv aussehen kann, habe ich bei sehr vielen Aquarianer schon beobachtet. Man muss dann aber manchmal auch erst 10 bis 15 Minuten davor sitzen, um mitzubekommen, welche Fische denn in diesem Aquarium überhaupt leben. Aber das ist ja gerade das besondere daran. Vor dem Aquarium sitzen und immer Neues an den Fischen und deren Verhaltensweisen zu entdecken!

Vergesellschaftung

Was passt zu einem wie oben beschriebenen Aquarium dazu? Eine Vergesellschaftung von zwei bis drei Arten weiterer Fische erfolgt hier nach ökologischen Gesichtspunkten. Der Fokus wird auf die südamerikanische Zwergbuntbarschart gelegt, die zu zwei oder drei Exemplaren in dieses Aquarium als alleinige Bewohner des Bodenbereichs und als Hauptnutzer der in Bodennähe eingebrachten Verstecken eingesetzt wird.

Die in vielen aquaristischen Publikationen vertretene Ansicht, man solle nur Arten mit gleichen Ansprüchen miteinander vergesellschaften, widerspricht allen bisherigen wiss. Erkenntnissen zur Einnischung von Arten.

Dazu können nun noch eine kleine Gruppe hypoptopomatiner Harnischwelse, wie zum Beispiel Otocinclus, Otothyropsis oder Parotocinclus kommen, die ähnliches Futter fressen und gerne auch mal an frisch geschlüpfte Artemia– Nauplien gehen, aber sonst meistens in den Pflanzen, Holz oder Wurzeln Nahrung und Verstecke finden. Diese kleinen Welse neigen auch nicht dazu, den Eiern oder Jungfischen der Zwergbuntbarsche nachzustellen, wie es zum Beispiel bei größeren ancistrinen Harnischwelsen der Fall sein kann. Für diese Fische kann man Holz, also Aststücke und Wurzeln einbringen, die zudem für die Zwergbuntbarsche mehr Strukturen bilden. Gerne darf das Aquarium auch mit Schwimmpflanzen bewachsen sein oder die Pflanzen (Echinodorus, Anubias) wachsen über die Wasseroberfläche hinaus.

Hier wachsen Anubias über die Wasseroberfläche hinaus und werden von Spritzsalmlern an der Unterseite zur Eiablage verwendet, wie hier zu sehen ist. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Ganz oben im Aquarium lebt eine Salmlerart aus der Familie der Schlanksalmler (Lebiasinidae). Diese Tiere sind wirklich oberflächenorientiert und leben in der Natur knapp unter der Oberfläche oder maximal im oberen Drittel des Aquariums. Wenn man im Aquarium zudem Strukturen aus Holz und Pflanzen einrichtet, die bis an die Oberfläche reichen oder eine Bereich mit Schwimmpflanzen abdeckt, so kommt man den natürlichen Biotopen bereits recht nah. Mir ist auch immer wieder aufgefallen, dass ich Fische der Gattung Copella, Pyrrhulina oder Nannostomus zusammen mit Zwergbuntbarschen (Apistogramma, Laetacara) im Netz hatte. Auch Ingo Koslowski beschreibt diese Form der Vergesellschaftung bereits in seinem Buch von 1985 (Koslowski 1985).

Spritzsalmler, hier balzenden Männchen, haltens ich meist an der Wasseroberfläche auf und sind geeignete und vom Verhalten interessante Beifische für bodenbewohnende südamerikansiche Zwergbuntbarsche. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Eine ganz wichtige Funktion übernehmen diese Fische zusätzlich. Sie stellen etwas Bewegtes im Aquarium dar und befriedigen so den Trieb, die Brut und das Revier zu verteidigen. Früher hatte man solche Fische als sogenannte Feindfische bezeichnet, eine Bezeichnung, mit der ich mich nie richtig anfreunden konnte. Diese Bezeichnung sollte meiner Meinung auch nicht mehr verwendet werden. Die aus eigenen Erfahrungen am besten geeignete Art für Fische im oberen Drittel des Aquariums sind Spritzsalmler, Salmler die ihre Eier außerhalb des Wassers ablegen und damit neben der anderen Wasserzone auch eine andere ökologische Nische als die Zwergbuntbarsche besetzen. Diese werden von den brutpflegenden Zwergbuntbarschen manchmal nur kurz angeschwommen, worauf sie sich rasch zurückziehen. Im Schwimmen sind diese Salmler sehr viel flinker als Zwergbuntbarsche, weshalb die Gefahr dass wirklich ein Salmler von einem Zwergbuntbarsch erwischt und verletzt wird, auszuschließen ist!

Die Vergesellschaftung mit solchen Fischen kann auch vorbeugend gegen innerartliche Aggressionen wirken. Bisweilen kann es in Aquarien zu aggressiven Handlungen zwischen Männchen und Weibchen führen, wenn diese Jungfische betreuen. Die am meisten akzeptierte Erklärung ist die nicht abgebaute Aggression des Männchens (und ggf. des Weibchens) aufgrund zu geringer Beschäftigung bei der Verteidigung des Reviers gegen potenzielle Fressfeinde. Eine “idyllische” Brutpflege mit einer entsprechenden Aufteilung des Brutpflegegeschäfts zwischen Männchen und Weibchen kann beim Männchen leicht durch mangelnde Beschäftigung (durch weiteren Besatz mit Fischen zur Ablenkung von Männchen und Weibchen) in Aggression gegen das Weibchen umschlagen, zudem dessen Brutpflegeinstinkt mit zunehmender Größe der Jungen nachlässt.

Biodiversität

Nun ist nicht jede Zwergbuntbarschart ein Bewohner südamerikanischer Flussuferbereiche. Die ökologischen Nischen sind für verschiedene Zwergbuntbarscharten ungleich variabler. Manche Zwergbuntbarsche halten sich in dichtem Pflanzengewirr knapp unter der Wasseroberfläche in stehenden und langsam fließenden Gewässern auf, gerne auch am Ufer. Manche andere Art ist strikt bodengebunden und hat spezielle Verstecke für sich entdeckt, wie die sogenannten Schneckenbuntbarsche. Auch hier genügt es nicht, in ein ansonsten kahles Aquarium in der Mitte ein einziges Schneckenhaus zu legen und zu hoffen dass die Tiere sich darin wohlfühlen!

Wenn ich zum Beispiel Vertreter der Gattung Neolamprologus z. B. Neolamprologus multifasciatus, einer Art aus dem Tanganyikasee im Afrikanischen Grabenbruch, in einem Aquarium gehalten habe, so kamen jeweils fünf bis zehn Schneckenhäuser auf ein erwachsenes Tier. Es ist schon richtig toll anzusehen, wie die verschiedenen Tiere einzelne oder kleine Gruppen von Schneckenhäusern für sich beanspruchen und über diesen (nur ungefähr 10 cm in der Höhe reichende) Reviere abzugrenzen. Ein Aquarium für Schneckenbuntbarsche kann durchaus ein sogenannter “Schneckenfriedhof” sein – eine Ansammlung von Schneckenhäusern auf Sandboden, die zwei Drittel der Bodenfläche einnimmt.

Eine Gruppe von Schneckenbuntbarschen der Art Neolamprologus ocellatus über einer Ansammlung von Schneckenhäusern, die als Verstecke, Reviere und Bruthöhle dienen. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Für die oberen Wasserschichten kann man dann entsprechend geeignete Fische einsetzen. Hat man ein größeres Aquarium kann man gerne auch Felsen bzw. Felsspalten bewohnende kleine Buntbarsche der Gattung Julidochromis einsetzen und so zusammen mit etwas größeren oben im Freiwasser schwimmenden Arten einen Biotop eines afrikanischen Grabenbruchsees nachbilden.

Literatur

Bremer, H. (1997): Aquarienfische gesund ernähren. DATZ-Aquarienbücher. Ulmer, Stuttgart (Hohenheim), 191 Seiten.

Koslowski, I. (1985): Die Buntbarsche der Neuen Welt. Zwergcichliden. Reimar Hobbing GmbH, Essen, 192 Seiten.

Ploeger, S. (2010): Zur Vergesellschaftung von südamerikanischen Zwergcichliden. DCG-Info. 41 (8): 191–197.

Staeck, W. (1985): Die Heimat unserer Aquarienfische und -pflanzen. Aquarium Heute (AH) 3 (2): 36–38.

Südamerikanische Flüsse

Dr. Stefan Karl Hetz

Juli 2021 14 Minuten

Der südamerikanische Kontinent weist mehrere große bzw. sehr große Flusssysteme auf. Die südamerikanischen Flüsse entwässern zum größten Teil in den Atlantik, was auf die ursprüngliche geologische Entwicklung des Kontinents und die im Westen liegenden geologisch jungen Anden als Barriere für Flüsse zurückzuführen ist. Von Norden nach Süden sind diese Flusssysteme: Orinoko, Amazonas und Paraguay. Daneben gibt es weitere kleinere isolierte Systeme, die direkt in den Atlantik, in die Karibik und, in geringerer Zahl, in den Pazifik entwässern.

Die drei wichtigsten südamerikanischen Flusssysteme. (Karte: Stefan Karl Hetz)

Diese drei Flusssysteme sowie entsprechende Zuflüsse, insofern sie als Fundgebiete von Zwergbuntbarschen aufgetreten sind, werden hier kurz von Norden nach Süden vorgestellt.

Orinoko

Im Norden entwässert der Orinoko, dessen Zuflüsse vor allem aus Kolumbien und Venezuela stammen, in den Atlantik. Die aus den kolumbianischen Anden im Westen stammenden Flüsse führen vor allem Weißwasser (Guaviare, Meta), während die aus dem geologisch alten Guayana-Schild (Ventuari, Caroni) und dem südwestlichen kolumbionischen Tiefland (Inirida) stammenden Flüsse zum geringen Teil Klarwasser und oft auch Schwarzwasser (Atabapo) führen.

Obwohl das Einzugsgebiet des Orinoko mit einer Million gegenüber 6 Millionen Quadratkilometer beim Amazonas vergleichsweise gering ist, führt dieser mit zwischen 30 000 und 40 000 m3/s ca. ein Fünftel der Wassermenge des Amazonas. Das liegt daran dass die Niederschlagsmengen im Einzugsbereich mit 1000 bis 4000 mm pro Jahr sehr hoch sind und führt zu stärkeren Schwankungen als beim Amazonas.

Die wichtigsten Zuflüsse im System des Orinoco. (Karte: Stefan Karl Hetz)

Im Einzugsbereich des Orinoko kommen sehr viele Zwergbuntbarsche aus verschiedenen Gattungen vor. Aus den östlich der Anden liegenden kolumbianischen Flusssystemen wurden in den letzten Jahren zudem einige neue Zwergbuntbarsche importiert bzw. lange nicht importierte Arten wieder importiert.

Zuflüsse des Orinoco

Einige Zuflüsse des Orinoco werden hier kurz exemplarisch vorgestellt. Man wird jedoch in den Zuflüssen des Orinoco – selbst diese sind für Europäische Verhältnisse sehr große Flüsse – selbst keine Zwergbuntbarsche finden. Auch kann die Wasserzusammensetzung in den kleinen Zuflüssen und Lagunen erheblich vom Hauptfluss abweichen, vor allem dann, wenn diese in der Hochwasserzeit vom Hauptfluss, der sein Wasser oft hunderte Kilometer entfernt erhält, überschwemmt wird.

Blick auf das Ufer am mittleren Cano Bocon, einem Schwarzwasserzufluss des Inirida. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Der kleine Cano Bocon dürfte Apistogramma– Liebhabern auch als Fundort von A. iniridae bekannt sein. Im nächsten Bild sehen sie ein weibliches Tier, welches ich im Januar 2015 mit der Hand im flachen Wasser fangen konnte.

Weibchen von Apistogramma iniridae aus dem Cano Bocon, einem Schwarzwasserzufluss des Inirida. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Guaviare

Der Guaviare ist ein Weißwasserfluss, der sein Wasser vor allem aus den kolumbianischen Anden bezieht. Die hohen Niederschläge (sie liegen teilweise um eine Größenordnung über den Niederschlägen in Europa) bedingen eine gewisse Erosion der Anden und damit eine hohe Sedimentfracht, wie wir sie in Europa vor allem beim Hochwasserereignissen kennen. Diese Sedimente werden an den Ufern abgelagert und teilweise beim nächsten Hochwasser mittransportiert und an anderer Stelle abgelagert.

Flussufer des GuaviareFlussufer des Guaviare kurz nach dem Zusammenfluss mit dem Inirida nahe der Grenze von Kolumbien zu Venezuela. Man kann am Ufer gut die Schichten von abgelagerten Sedimenten erkennen. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Der Guaviare fließt von Westen nach Osten, er nimmt dabei nahe der venezolanischen Grenze den Inirida und Atabapo auf und mündet kurz darauf in den Orinoco.

Meta

Vergleichbar mit dem Guaviare ist der Rio Meta. Dieser fließt ebenfalls von Westen nach Osten und trägt große Mengen seiner Sedimentfracht in den Orinoco.

Atabapo

Der Atabapo ist ein typischer Schwarzwasserfluss. Er bildet zusammen mit dem Inirida, dem Guaviare und dem Orinoco einen Biodiversitätshotspot, also ein Gebiet mit einer besonders hohen Zahl von Arten. Das Gebiet rund um die Stadt Inirida ist deshalb auch als RAMSAR-Schutzgebiet ausgewiesen. Die Ufer des Atabapo sind von weißem Sand gesäumt.

Ufer des Atabapo kurz nach einem Gewitter im Januar 2015. Das gegenüberliegende Ufer liegt in Venezuela. Auffällig ist der weiße Sand, der mit dem Schwarzwasser eine starken Kontrast bildet. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Durch diesen weißen Sand wird das dunkel gefärbte Wasser, das typische Schwarzwasser, besonders deutlich.

Wasserzusammensetzung

Die Wasserzusammensetzung in einem so großen Flusssystem ist sehr unterschiedlich. Die Gewässer aus den Anden, die in den Guaviare und den Meta entwässern, sind vergleichsweise reich an Sedimenten und Mineralien. Trotzdem sind die Ionenkonzentrationen dieser Flüsse nicht höher als in den Gebieten, die man in Mitteleuropa bzw. Deutschland schon als Weichwassergebiete bezeichnen würde.

Das hängt mit den zum Teil sehr viel höheren Niederschlägen zusammen, die für einen sehr ausgeprägten Verdünnungseffekt des ionenarmen Regenwassers sorgen. So hat das relativ trockene Berlin mit ca. 600 mm im Jahr nur knapp ein Sechstel der Niederschläge wie Villavicencio in Kolumbien am Osthang der Anden mit 4000 mm Niederschlägen.

Villavicencio am Osthang der Anden weist mit ca. 4000 mm sehr hohe Jahresniederschlagssummen auf. Diese sind relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt. (Grafik: Stefan Karl Hetz)

Amazonas

Der Amazonas ist “der” Fluss, der einem sofort einfällt, wenn es um südamerikanische Flüsse und Superlative geht. Der Amazonas führt mit durchschnittlich ca. 200 000 m3/s die ungefähr 70 bis 80-fache Wassermenge des Rheins. Obwohl die Zuflüsse des Amazonas ausgeprägte Hoch- und Niedrigwasserzyklen aufweisen, führt der Fluss selbst eine “relativ” konstante Menge an Wasser. Die Schwankungen sind mit 150 000 und 250 000 m3/s relativ klein. Diese Tatsache hängt vor allem mit den großen Zuflüssen zusammen, die, mit jahreszeitlich abwechselnden Hochwasserphasen, den Hauptstrom speisen.

Auch wenn bei sehr vielen südamerikanischen Fischen die Herkunft mit “Amazonas” angegeben ist, so finden sich gerade Zwergbuntbarsche nicht im Hauptstrom des Amazonas oder in einem seiner Nebenflüsse (die ebenfalls weitaus größer sind als die großen Europäischen Flüsse). Selbst die Zuflüsse der Nebenflüsse wiederum sind noch sehr groß. Kleinere, langsam fließende Flüsse und Bäche mit ruhigeren Uferregionen oder in der Trockenzeit vom Fluss abgeschnittene Gewässer sind in Südamerika (in Afrika ist das zum Teil etwas anders) Fundorte von Zwergbuntbarschen. Dort bewohnen die uns interessierenden Zwergbuntbarsche unterschiedliche Biotope, oft findet man sie auch direkt am flachen Ufer.

Nebenarm im Mündungsgebiet des Amazonas bei Belém im brasilianischen Bundesstaat Pará. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Der Amazonas entspringt in knapp 5200 m Höhe in den peruanischen Anden und mündet nach ungefähr 7000 km in den Atlantik. Seit einigen Jahren wird ein ganzjährig Wasser führender Bach, ein Zufluss des Apurimac als Quelle anerkannt. Von dort fließt das Wasser zunächst nach Norden in den Ucayali. Dieser verbindet sich mit dem Maranon unterhalb der peruanischen Stadt Iquitos, einem Zentrum des peruanischen Zierfischfangs und -exports, zum Amazonas. Der Amazonas fließt unterhalb Iquitos wenige Hundert Kilometer südlich des Äquators mehr oder weniger direkt von Westen nach Osten, wo er in einem breiten Delta in den Atlantik mündet.

Klimadiagramm von Belém mit ganzjährig hohen Temperaturen und saisonal ausgeprägten Niederschlägen. (Grafik: Stefan Karl Hetz)

Der Amazonas nimmt auf seinem Lauf einige sehr große Nebenflüsse auf, die zum größten Teil die beiden größten Deutschen Flüsse Elbe und Rhein in Wasserführung und Länge deutlich übertreffen. Einige Beispiele werden kurz genannt.

Der Einzugsbereich des Amazonas. (Karte: Stefan Karl Hetz)

Der Einzugsbereich des Amazonas weist im Mittel- und Unterlauf kaum Höhenunterschiede auf. Bis an den Brasilianischen Schild mäandern die träge fließenden Weißwasserflüsse deshalb nur sehr langsam, wie auf der folgenden Abbildung zu erkennen ist.

Träge fließende Zuflüsse im Einzugsbereich des Amazonas zwischen Belém und Altamira am Xingú aus dem Fluzeug fotografiert. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Paraná

Der Paraguay fließt von Norden nach Süden und vereinigt sich mit dem Paraná, der den südöstlichen Bereich von Brasilien entwässert. Über das im Norden gelegene Pantanal besteht eine Verbindung zum Einzugsbereich des Rio Madeira. Obwohl das Einzugsgebiet fast 3 Millionen Quadratkilometer beinhaltet, ist die mittlere Abflussmenge mit weniger als 20 000 m3/s deutlich geringer als die des Amazonas oder Orinoko.

Der Einzugsbereich des Paraguay und Paraná. (Karte: Stefan Karl Hetz)

Klimadiagramm von Encarnación, das im Süden von Paraguay am Paraná liegt. Hier spürt man bereits ausgeprägte Temperaturschwankungen mit deutlichen Abkühlung im Südwinter. (Grafik: Stefan Karl Hetz)

Klima

Wie oben schon angedeutet, ist das Klima in einigen Bereichen der Anden, die als Barriere für Wolken wirken, sehr niederschlagsreich. Durch die hohe Luftfeuchte enthält die Luft sehr viele mehr Wasser als in Europa, was die Temperaturschwankungen im Vergleich zu trockener Luft deutlich reduziert. Kleine Temperaturveränderungen bedingen zum Teil sehr große Energieverschiebungen durch Regen und Verdunstung bei insgesamt relativ konstanter Temperatur. Dazu kommt die Pufferwirkung für Temperaturschwankungen des Regenwaldes und der Flüsse. Flüsse und Bäche werden also relativ konstante Temperaturen aufweisen, was sich auch in der Spanne der Temperaturanpassungsfähigkeit von Zwergbuntbarschen andeutet.

Der Einzugsbereich des Paraguay reicht sehr weit in den Süden bereits in die subtropische Zone. Im oben gezeigten Klimadiagramm der Stadt Encarnación im Süden von Paraguay sieht man bereits, dass die mittleren Monatstemperaturen ungefähr 10°C geringer sind als im südlichen Sommer. Buenos Aires in Argentinien liegt auf ca. 34° südlicher Breite. Zum Vergleich: In den gleichen Bereichen der nördlichen Breiten liegt das südliche Italien.

Die Gelben Zwergbuntbarsche, Apistogramma borellii, werden ab und zu auch aus Paraguay importiert, oft nicht gezielt, sondern als Beifang. Hier ein Nachzuchtmännchen eines solchen Imports. (Abbildung: Stefan Karl Hetz)

Aus dem Paraguay-Einzug bzw. aus dem Land Paraguay kommen ab und zu Zwergbuntbarsche, teilweise als Beifänge anderer Arten. Importiert werden ab und zu z. B. Apistogramma commbrae, A. trifasciata und A. borellii. Es gibt einige Haltungs- und Fundberichte, die zeigen, dass diese Arten auch über einige Zeit bei niedrigeren Temperaturen um ca. 18°C gut zu halten sind. Die geringeren Temperaturen zusammen mit den größeren jahreszeitlichen Temperaturschwankungen lassen vermuten, dass diese Arten im Vergleich zu den tropischen amazonischen Arten eurytherm sind.

Tageslänge

Da die Flüsse mehr oder weniger weit vom Äquator entfernt liegen (der Amazonas-Hauptstrom fließt fast parallel zum Äquator), machen sich weiter im Norden oder Süden die Jahreszeiten bemerkbar. Diese Tatsache hat einige Bedeutung für die Haltung und Beleuchtung/Beleuchtungsdauer im Aquarium. Zwischen Winter und Sommer weisen die Tageslängen Schwankungen auf. Diese Veränderungen der Tageslänge betragen am südlichsten Verbreitungsgebiet mehrere Stunden.

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